Überwintern / Mehrjähriger Anbau

Das Überwintern von Chilipflanzen ist grundsätzlich immer möglich. Bei einigen Pflanzen ist es sogar ratsam, da sie eine lange Vegetationszeit haben oder aber nach dem ersten Anbaujahr eine viel höhere Ernte bringen.
Im den folgenden Abschnitten fassen wir die wichtigesten Punkte für den mehrjährigen Anbau von Chilis zusammen und zeigen auch Beispiele von unseren überwinterten Pflanzen.

Warum überwintern?
Dafür gibt es einige Gründe. Zum Beispiel will man eine besonders schöne oder ertragreiche Pflanze gern behalten. Oder eine Pflanze hat eine so lange Vegetationszeit, dass im ersten Jahr kaum mit einer Ernte zu rechnen ist. Und es gibt auch wie schon oben erwähnt Chilisorten, deren Ertrag nach dem ersten Anbaujahr viel höher wird. Und zu guter letzt wollen viele Chiliheads auch einfach mal testen, ob das mit dem Überwintern auch wirklich gut klappt.

Bedingungen während der Überwinterung
Über den Winter kann man die Pflanzen ruhig etwas dunkler und kühler stellen. Bei uns haben sich Standorte so um die 10°C eigentlich immer gut bewährt. Frost dürfen die Pflanzen natürlich nicht bekommen. Hat man die genannten Bedingungen, muss man folglich auch weniger gießen. Die Chilipflanzen betreiben bei weniger Licht weniger Photosynthese und brauchen deshalb auch weniger Wasser.
Hat man einen warmen und sehr hellen Standort bzw. beleuchtet man vielleicht sogar künstlich, dann pflegt man die Pflanzen so weiter, wie vorher auch. Denn eigentlich haben die Chilis keine Winterruhe, wie viele Laubgehölze aus unseren Breiten. Sie haben ja in ihren Ursprungsländern durchgängig mehr Wärme und Licht.
Grundsätzlich gilt also: je dunkler und kühler, desto weniger Wasser – je heller und wärmer, desto mehr Wasser.

Zurückschneiden – ja oder nein?
Das ist zum Großteil eine Platzfrage. Theoretisch kann man die Chilipflanzen so überwintern, wie sie sind. Da einige Exemplare aber eine recht stattliche Größe erreichen, gerät man schnell in Platznot. Denn nicht jeder hat ein riesiges haus, wo er vielleicht extra Räume hat, um Pflanzen über den Winter zu bringen. In dem Fall bietet sich das Zurückschneiden an.
Beim Zurückschneiden sollte man sich also vorher überlegen, wieviel Platz man hat und auch wie die Pflanzen im nächsten Jahr wachsen sollen. Sollen sie buschiger wachsen, schneidet man sie relativ weit runter, damit sie im nächsten Jahr stark von unten austreiben. Ist es nur eine Platzfrage, dann nimmt man das weg, was stört. Beachten sollte man hierbei auch, dass die Pflanzen mehr Photosynthese betreiben, je mehr Grün sie haben. Denn sie brauchen ja mehr Energie. Da darf man das wässern nicht vergessen.
Wir schneiden über den Winter eigentlich alle Pflanzen zurück, da wir nicht den Platz haben, um größere exemplare unterzubringen. Je nach Sorte, Wuchs und Alter schneiden wir unsere Pflanzen, entweder komplett bis auf den Hauptstamm (teilweise bis auf eine Länge von ca. 10 cm), oder aber oberhalb der ersten Verzweigungen, zurück. Zweiteres bietet sich gerade bei Pflanzen an, die sich sehr früh verzweigen und sowieso schon recht buschig wachsen oder bei älteren Pflanzen, wo die Ansätze der Seitentriebe ebenfalls schon verholzt sind. Da sich die Pflanzen bei verholzten Stellen wesentlich schwerer tun mit dem Austrieb. Komplett zurückgeschnitten werden die Pflanzen, die wenig verzweigt, aber dafür zu seh in die Höhe gewachsen sind. Schneidet man zurück muss man auch wieder weniger wässern, weil weniger Blattmasse vorhanden ist. Teilweise werfen die Pflanzen auch noch die übrig gebliebenen Blätter ab. Dann muss man besonders genau hinschauen, damit einem die Pflanzen nicht vertrocknen, aber auch nicht in nasser Erde stehen.

Neuaustrieb
Im folgenden Frühjahr kann man die überwinterten Pflanzen je nach Lichtverhältnissen und Temparatur zwischen Februar und März wieder ins Warme holen. Hat man sie kühl überwintert, sollte man darauf achten, dass dies nicht zu schnell geschieht. Also am besten stufenweise an die Wärme gewöhnen.
Bei Pflanzen, die noch nicht so stark verholzt sind, kann man meist schon nach den ersten Tagen neue Triebe an den Verzweigungen erkennen. Bei stärker verholzten Pflanzen dauert es dann auch mal etwas länger.
Günstig ist es wenn möglich etwas Laub zu erhalten, da dann eine größere Blattmasse für die Photosynthese vorhanden ist und der Austrieb wesentlich schneller von statten geht, wenn die Pflanze mehr Energie produziert.

Umtopfen
Bei uns hat es sich bisher bewährt, wenn wir die Pflanzen erst noch in der alten Erde gelassen haben. Nachdem die Triebe etwas größer sind und sich die ersten Blätter gebildet haben, wurden sie dann in frische Erde und evtl. größere Töpfe gesetzt. Gedüngt haben wir meist erst, wenn die ersten Knospen sichtbar waren, da in der neuen Erde im Normalfall schon genügend Nährstoffe für die erste Zeit vorhanden sind.

Pflanzenbeispiele
PequinDie Pflanze, die wir bisher am längsten haben, ist eine Pequin . Sie bringt seit dem Jahr 2005 pro Saison eine, meist aber zwei große Ernten.
Da sie vom Wuchs her nicht allzu groß ist, lassen wir sie immer in einem 16 cm-Topf und wechseln jedes Jahr lediglich die Erde aus.
Nach der letzten Ernte wird sie etwas zurückgeschnitten bzw. ausgelichtet. Da sie sowieso schon einen sehr buschigen Wuchs hat, macht sich das recht gut. Ansonsten würden die neuen Triebe und Früchte kaum Platz zum wachsen haben.
Jedes Frühjahr treibt diese Pflanze schnell wieder aus, obwohl sie über den Winter meist alle Blätter abwirft und auch relativ stark verholzt ist. Wir hoffen, dass das auch die nächsten Jahre noch so bleibt, damit wir testen können, wie lang man eine Chilipflanze kultivieren kann.
Hier findet ihr noch ein paar mehr Informationen und Bilder zu dieser Pflanze: Forenthread Pequin .

Mit unserer roten Spitzpaprika haben wir erstmals versucht, ob man die Pflanzen auch überwintern kann, wenn man sie aus dem Gartenbeet wieder ausgräbt. Hier werden ja eine Vielzahl von kleinen aber wichtigen Wurzeln beschädigt oder sogar abgerissen.
SpitzpaprikaDie besagte Pflanze war anfänglich schon ein Jahr im Topf überwintert worden. Sie war also geeignet zum überwintern und die Voraussetzungen somit gut. Wie erwartet hat sie trotz ausgraben dann auch ihren zweiten Winter überstanden.
Nach der ersten Überwinterung im Topf hat die Pflanze stark ausgetrieben und einen hohen Ertrag im Garten gebracht. (Bild links)
Ende der Saison haben wir die Pflanze wieder ausgegraben und zum zweiten Mal im Topf überwintert. Durch die schon recht starke Verholzung dauerte der Austrieb nach der zweiten Überwinterung etwas länger. Leider hatte sich die Pflanze irgendwie einen Pilz eingefangen. Wir haben sie dennoch wieder in den Garten gepflanzt und trotz Schwächung hat sie zahlreiche Früchte hervorgebracht. Diese haben wir allerdings nicht mehr geerntet wegen dem Pilzbefall und haben die Pflanze auch nicht weiter überwintert.
Bei der Variante ist es von Vorteil, wenn man den Dünger (in unserem Fall Mist) direkt in die Pflanzgrube mit einbringt. Denn dadurch wachsen die Wurzeln in den meisten Fällen ähnlich wie in einem Topf, weil sie genügend Nährstoffe an Ort und Stelle finden und sich nicht unnötig weit ausbreiten müssen. Es entsteht also ein richtiger Wurzelballen. Nach der Ernte kann man dann die Pflanze wieder ausgraben ohne zu viele Wurzeln zu beschädigen.
Einen kleinen Nachteil hat das allerdings auch. Bei kleineren Wurzelballen ist die Standfestigkeit etwas geringer, da die Wurzeln sich nicht weiträumig im Boden verankern. Aber mit einem Holzstab o.ä. zum anbinden kann man das leicht beheben. Wir binden unsere Chili- und Paprikapflanzen sowieso immer an, damit bei stärkerem Wind nichts abbricht.
Ansich hat der Versuch Pflanzen aus dem Garten zu überwintern also bestens funktioniert.

Erfolgreich überwinterte Sorten:
C. annuum: De Arbol: 2004 bis 2007, Pequin: 2005 bis 2010, Spitzpaprika, rot: 2006 bis 2008, Thai: 2005 bis 2006
C. chinense: Habanero Ivory: 2009 bis 2010
Wildarten: C. eximium: 2009 bis 2010, C. lanceolatum: 2009 bis 2010, C. rhomboideum: 2009 bis 2011

2014 Powered By Wordpress, Goodnews Theme By Momizat Team