Capsicum pubescens

Allgemeines:
Der Name „Rocoto“ leitet sich aus er Sprache der Inkas ab. Sie nannten diese Chilis „rocot uchu“, also breiter Chili. Der Begriff „pubescens“ beschreibt dagegen die Pflanze und bedeutet soviel wie behaart, was daher kommt, dass bei den Capsicum pubescens sowohl Triebe, als auch Blätter leicht behaart sind.

Ihren Ursprung hat diese Art, wie alle anderen Capsicum-Arten, in Mittel- und Südamerika, wo sie auch heut noch vorrangig verbreitet ist. Insgesamt kann man aber sagen, dass diese Art von allen domestizierten Capsicum-Arten die am wenigsten verbreitete weltweit ist. Sie ist ihnen auch systematisch am wenigsten ähnlich. Darauf kann man auch zurückführen, dass es von dieser Art, im Gegensatzt zu anderen Capsicum-Arten, nur sehr wenige Sorten gibt. Denn sie konnten sich nicht mit anderen Genen vermischen in ihrem kleinen Verbreitungsgebiet. Man bezeichnet das auch als Gründereffekt. Auch heute kann man Capsicum pubescens mit keiner anderen domestizierten Art kreuzen. Es gibt nur zwei Wildarten, bei denen dies gelungen ist, Capsicum eximium und Capsicum cardenasii. Bei diesen Kreuzungen entstandenen fertile Hybriden, was die nahe Verwandschaft dieser Arten bewiesen hat.
Da man bisher noch keine Urform dieser Art gefunden hat, stellte man Nachforschungen an. Es ergab sich, dass alle Früchte der Capsicum pubescens im Gebiet Boliviens kleiner waren, als die außerhalb dieses Gebietes. Der Rückschluss war, dass die Art ihren Ursprung wahrscheinlich in diesem Gebiet hat, da auch die Urformen der anderen kultivierten Arten immer kleinere Früchte hatten. Es lässt sich aber nur vermuten, da bis heut nur kultivierte und halbwilde Pflanzen gefunden wurden.
Kommerziell angebaut wird Capsicum pubescens heute vor allem in den Hochlagen Boliviens, Ecuadors, Kolumbiens, Perus, in Nordchile, Mittelamerika und in den Gebirgen Südmexikos. Dort ist sie neben Capsicum baccatum die verbreitetste Art. In Europa und anderen Ländern findet man diese Art eigentlich nur bei Hobbygärtnern und Liebhabern. Günstig ist die Verträglichkeit der Pflanzen gegenüber unseren doch kühleren Nächten. Bei anderen Dingen sind sie aber empfindlicher wie andere Arten. Sie sollten nicht in der vollen Sonne stehen und immer gut mit Wasser und Nährstoffen versorgt sein, ansonsten werfen sie Blüten und teilweise schon ausgebildete Früchte ab.

Eine weitere Besonderheit ist die Namensgebung der Sorten dieser Art. Alle Vertreter werden oft in den Südamerikanischen Verbreitungsgebieten als „Rocoto“ oder auch „Locoto“ bezeichnet. In Mexico wird der Begriff einfach durch „Chile“ ersetzt. Hinzu kommen dann noch Begriffe, die die Frucht selbst beschreiben.
Die bekanntesten Beispiele hierfür sind:

  • Chile de Seda: gelbe, längliche Früchte
  • Rocoto Canario (Kanarienfarbiger Rocoto): gelbe, runde Früchte
  • Rocoto Peron (Birnenrocoto) / Chile Peron (Birnenchili): rote, längliche Früchte
  • Rocoto Manzano (Apfelrocoto) / Chile Manzano (Apfelchili): rote oder gelbe, runde Früchte
  • Rocoto Rojo (roter Rocoto): rote, runde Früchte
  • Rocoto Amarillo (gelber Rocoto): gelbe, runde Früchte

Ausserdem wird Rocoto Rojo oft als Manzano Rojo, Rocoto Manzano Rojo, Chile Manzano Rojo oder Aji Manzano Rojo bezeichnet.
Genauso ist es bei Rocoto Amarillo. Hier sind Manzano Amarillo, Rocoto Manzano Amarillo, Chile Manzano Amarillo und Aji Manzano Amarillo geläufig.

Weitere Sortenbezeichnungen sind zum Beispiel: Rocoto Aji, Rocoto Caballo (Pferdechili), Baumchili, Rocoto Peru, Rocoto Bolivia, Rocoto Mexico usw. – je nach Herkunft, Aussehen oder ähnlichem.

Habitus:
Wie bei allen anderen Arten der Gattung Capsicum sind die Pflanzen der Art Capsicum pubescens Halbsträucher, die sehr groß (3-4 m) werden und teilweise stark verholzen. Sie können recht alt werden, bis zu 15 Jahren, und verholzen dementsprechend stark, was ihnen auch die Bezeichnung „Baumchili“ eingebracht hat.
Anfangs bilden die Pflanzen meist einen starken Haupttrieb, der sich dann verzweigt und sich dadurch eine ausladende Krone formt. Erst dann beginnen die Pflanzen auch wieder weiter unten auszutreiben. Dies verleiht den Pflanzen ihr strauchartiges bzw. baumartiges Aussehen.

Blätter:
Die Laubblätter sind rund-oval bis eiförmig, spitz zulaufend und haben eine Größe von durchschnittlich 4 x 12 cm. Der Blattstiel setzt an eine keilförmige Blattbasis an. Auffällig sind zudem die rauen, behaarten Blätter, die bei den anderen domestizierten Arten nicht vorkommen. Die Blätter haben eine dunkle grüne Färbung, die teilweise leicht bläulich oder violett wirkt.

Blüten:
Die Blüten bilden sich in den Verzweigungen der Triebe. Am häufigsten sind ein oder zwei Blüten pro Verzweigung, es kommen aber durchaus auch drei oder vier Blüten vor. Jede Blüte hat normalerweise 5 Kronblätter, d.h. sie ist 5-zählig. Es kommen aber auch 4- bis 7-zählige Blüten vor. Am auffälligsten an den Blüten ist ihre dunkelviolette Färbung, die nach innen hin teilweise etwas heller wird. Zudem sind die Spitzen der Kronblätter leicht nach innen gebogen und zeitweise verwachsen, was der Blüte ein haubenartiges Aussehen verleiht. Die Staubblätter sind genau wie die Kronblätter ebenfalls violett gefärbt.

Beispiel für Capsicum pubescens Blüten:

Canario BlüteManzano Amarillo BlüteRocoto Aji Largo Blüte

Früchte:
Die Früchte haben in der Mehrzahl ein rundliches, apfel- oder birnenförmiges Aussehen, was aber häufig sehr stark variiert. Auch gibt es längliche Fruchtformen. Diese treten aber seltener auf. Die Früchte sind unten stumpf oder sogar eingedrückt und reifen gelb, rot, orange und selten bräunlich ab. Unreif sind sie meist dunkelgrün. Ihr Aroma ist tropisch / fruchtig. Allerdings benötigen die Früchte eine recht lange Zeit zum reifen, was die Ernte in unseren Breiten im ersten Jahr meist ausfallen oder klein werden lässt. Überwintert man die Capsicum pubescens, ist der Ertrag im zweiten Jahr meist sehr groß. Die Überwinterung ist bei einem leichten Rückschnitt und an einem kühlen, hellen Ort unproblematisch.

Beispiel für Capsicum pubescens Früchte:

Canario FruchtManzano Amarillo Frucht

Eine weitere Auffälligkeit sind die bräunlichen bis schwarzen, nierenförmigen Samen, die meist in hoher Anzahl in den Früchten zuCapsicum pubescens Samen finden sind. Häufig sind sie an der Plazenta zu finden, weniger an den Scheidewänden. Ihre Färbung ist wohl das deutlichste Unterscheidungsmerkmal zu den anderen kultivierten Arten.

Auch die Inhaltsstoffe der Capsicum pubescens unterscheiden sich von den anderen Arten. Ihre Schärfe wird zwar genauso von Capsaicinoiden verursacht, allerdings herrscht hier nicht das Capsaicinoid vor, was bei den anderen Arten einen Anteil von durchschnittlich 80% hat, sondern ein anderes. Dadurch kommt es auch zu einem veränderten Schärfeempfinden, wie bei Sorten anderer Arten. Der Esser ist ja nicht an das Capsaicinoid gewöhnt. Theoretisch liegt die Schärfe der Capsicum pubescens Sorten zwischen 30.000 und 100.000 Scoville-Einheiten.

Verwendet werden die Früchte für Salsas, Saucen, eingelegt, als Gewürz und als Gemüse. Bei der Verwendung als Gemüse entfernt man Plazenta, Scheidewände und Samen und erwärmt die Früchte abwechselnd in Salz- und Zuckerwasser. Dies mildert die Schärfe.
Die wohl bekannteste Verarbeitungsform ist „Rocotos relleno“, also gefüllter Rocoto. Zur Minderung der Schärfe werden die Rocotos in Milch eingelegt und dann in den verschiedensten Varianten gefüllt und teilweise mit Käse überbacken.

Hot-Sauces mit Rocotos gibt es sehr wenige. Sie werden auch meist nur in den Ursprungsländern vertrieben und finden ab und an den Weg nach Europa über Internetshops. (z.B. 2Hot Rocoto Sauce)

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